Neu im Kino "Das innere Leuchten": Einfühlsame Doku über Demenzkranke

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Ihr Leben hat sich in Vergessen aufgelöst und doch schafft es dieser Film von Stefan Sick, auch von der Freude Alzheimer-kranker Menschen zu erzählen.

Filmszene - Ein Mann meditiert.
Alzheimerpatient Herr Volz tanzt gerne mal durch die Gänge des Pflegeheims in Stuttgart. Bildrechte: AMA Film

Zwei Jahre lang hat der Filmemacher Stefan Sick im Gradmann-Haus, einem Pflegeheim in Stuttgart, Bewohner mit Demenz beobachtet – zurückhaltend, voller Respekt für diese Menschen, die keine Vergangenheit mehr haben. Eine Fotografin erkennt ihre eigenen Bilder nicht mehr, viele wissen nicht mehr, dass sie Verwandte haben, ihr Leben hat sich aufgelöst.

Schöne Landschaftsbilder, die Sick in seinen Film schneidet, stehen für den Wechsel der Jahreszeiten, den Kreislauf der Natur. Im Mittelpunkt dieses Berlinale-Films aber steht Herr Volz, der durch die Gänge tanzt, manchmal dirigiert er, als höre er eine innere Musik. Es sind solche glücklichen Momente, die dem Film, der die Trauer, Wut und Furcht der Patienten nicht verschweigt, seine Schönheit verleihen. Sie zeigen, dass auch diese Menschen, deren Innenleben uns verborgen bleiben muss, tiefe Freude empfinden.

Das Pflegepersonal in diesem sehr sensiblen Film ist so freundlich und mitfühlend, dass man inständig hofft, es möge überall in unserem immer älter werdenden Land so sein.

Filmszene - Ein See im Wald.
Im Film stehen die Landschaftsbilder im Wechsel der Jahreszeiten symbolisch für den Kreislauf der Natur. Bildrechte: AMA Film
Genre: Dokumentation
Regie: Stefan Sick
Im deutschen Kino ab: 19.09.2019
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Juli 2019 | 08:10 Uhr