Buchempfehlung "Middlemarch" – George Eliots Klassiker, neu entdeckt

Es ist einer der wichtigsten englischen Romane überhaupt: "Middlemarch" von George Eliot, erschienen 1871. Doch hierzulande ist der Wälzer weitgehend unbekannt. Eine beeindruckende neue Übersetzung könnte das jetzt ändern.

George Eliot, circa 1860
George Eliot alias Mary Anne Evans, circa 1860 Bildrechte: Imago/ United Archives

Wo, um alles in der Welt, liegt Middlemarch? Irgendwo mitten in England, und es bringt die Widersprüche der angelsächsischen Gesellschaft um 1830 so glänzend auf den Punkt, wie dies nur ein erfundenes Provinzstädtchen tun kann. Es gibt tumbe Adlige, dreiste Pferdehändler, schwärmerische Frauen, junge Männer mit Spielschulden, andere, die idealistisch ihrem Beruf nachgehen, verknöcherte Gelehrte, kluge Mütter, skrupellose Aufsteiger, gewiefte Bösewichter, fortschrittliche Gutsbesitzer und lebenslustige Pfarrer.

Die Ehe ist ein Wagnis, denn wer eine falsche Entscheidung trifft, bleibt ein Leben lang unglücklich. Auch deshalb fächert die englische Schriftstellerin George Eliot, die 1819 geboren wurde, eigentlich Mary Anne Evans hieß und absichtlich unter einem männlichen Pseudonym veröffentlichte, einen Teil ihres Romans über Verbindungen ihrer Hauptfiguren.

Ein fesselndes und humorvolles Epochenbild

Buchcover „Middlemarch“
"Middlemarch" ist ein fesselnder Roman über 1.200 Seiten. Bildrechte: Rowohlt Verlag

Mit seiner unersättlichen Gier macht das Luxusweibchen Rosamond seinem fortschrittlichen Gatten Tertius Lydgate, einem Arzt, zu schaffen. Umgekehrt hat sich die bildungshungrige, politisch denkende Dorothea in dem vermeintlich gelehrsamen Edward Casaubon getäuscht, der sich als seelenloser Egozentriker entpuppt.

Die Autorin durchdringt die Psychologie ihres Personals ebenso feinsinnig wie die sich wandelnden sozialen Bedingungen. Der kühl kalkulierende Mr. Balustrade, der sein Vermögen auf Kosten einer armen Witwe gemacht hat, schafft es, sich zu einem allseits respektierten Bankier zu mausern – er ist ein Beispiel für die neue Spezies des Bourgeois.

In dem ab 1871 in Fortsetzungen erschienenen 1.200-seitigen Wälzer gelingt Eliot ein fesselndes Epochenbild. Nicht zuletzt ist die Verfasserin, die eine erfolgreiche Journalistin war und ein erstaunlich selbstbestimmtes Leben führte, äußerst humorvoll. In England und den USA ist "Middlemarch" ein Klassiker. Jetzt kann man den Roman in der beeindruckenden Neuübersetzung von Melanie Walz auch auf Deutsch entdecken.

Angaben zum Buch George Eliot: "Middlemarch. Eine Studie über das Leben in der Provinz"
Roman
Herausgegeben und übersetzt aus dem Englischen von Melanie Walz
Rowohlt
1.264 Seiten
45 Euro

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Januar 2020 | 07:40 Uhr

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