Neues Album "Royal" – Songs zwischen Jazz, Folk und Afro-Soul

Die Sängerin Ayo aus Nordrhein-Westfalen wurde mit Liedern wie "Down on My Knees" oder "Slow Slow Run Run" bekannt. Ihre Lieder stehen für Folk, Soul, Reggae und Afro Blues. Auf ihrem neuen Album "Royal" wollte sie eigentlich ihre eigenen Songs neu aufnehmen. Aber aus dem Plan wurde nichts. Manchmal ist es gut, wenn sich Pläne ändern, denn dann kommt mehr heraus als erwartet. So wie bei Ayos sechstem Studioalbum, findet jedenfalls MDR KULTUR-Musikkritiker Johannes Paetzold.

Die Sängerin und Musikerin Ayo
Ayos neues Album ist in einer schwierigen Lebensphase der Künstlerin entstanden. Bildrechte: Sophie Koella

Ayo hatte in letzter Zeit genug mit sich selbst zu tun. Der älteste Sohn in wilder Pubertät. Für die eine Tochter musste sie in Trumps Amerika um die Aufenthaltsgenehmigung kämpfen. Da schien die Idee, Coversongs ihrer eigenen Lieder aufzunehmen überschaubar und sinnvoll.

Doch eigentlich stand Ayo nicht hinter dem eigenen Plan: "Im Studio hatte ich eine depressive Phase. Die ganze Aktion mit meiner Tochter. Das war nicht leicht. Daher hatte ich auch keinen Bock auf die Coversongs und habe einen Ausweg gesucht. Ihr Produzent Freddie Koella habe ihre dabei sehr geholfen: "Er war der erste Mensch, der mit mir über Depressionen geredet hat. Davor hatte ich gedacht, Schwachsinn, so was gibt es alles gar nicht." Und so wurden die Pläne geändert.

Cover des Albums Royal der Künstlerin Ayo
"Royal" ist Ayos sechstes Studioalbum. Bildrechte: 3ème Bureau

Wenn Cowboys Folk machen

Drei Coverversionen haben dennoch ihren Weg auf das Album gefunden. Die eine – "Fool's Gold" –stammt von der verstorbenen amerikanisch-mexikanischen Sängerin Lhasa de Sela und wurde Ayo von besagtem Freddy Koella vorgeschlagen. Es ist eine überraschende Country-Exkursion. Als ihre Tochter das gehört habe, habe sie gesagt:  Oh Mama, Countrymusik! Doch Ayo sagt: Ich fand das gut. Am Ende des Tag ist es Folk, nur eben Cowboys, die Folk machen." Ein weitere Coversong auf Royal ist "Ne Quelque Part" ist ein weiterer Coversong auf Royal. Mit "Afro Blue" hat sich Ayo weit in den Jazz vorgewagt.

Ich liebe 'Afro Blue', ich liebe Jazz. Jazz kann man im bestimmten Alter nicht singen. Mit 20 Jazz singen? […] Es ist wie eine Flasche Wein, mit 20 Jahren ist die nicht gereift, dass es gut schmeckt.

Ayo, Sängerin

"Royal" zeigt nun eine gereifte Musikerin. Aus der schwierigen Lebensphase ist ein Album entstanden, das noch spärlicher instrumentiert ist, als man es von Ayo sowieso gewohnt ist. Die Band, die Kompositionen lassen viel Raum für Ayos Stärke, das Geschichtenerzählen.

"Beautiful" –Suche nach Identität

Die Sängerin und Musikerin Ayo
Ayo ist bei sich angekommen. Bildrechte: Sophie Koella

Der Song "Beautiful" ist ein gutes Beispiel für dieses Geschichten erzählen. Als Ayos Tochter einen Hautauschlag hat und sich im Spiegel anschaut und hässlich empfindet, spricht Ayo ihr Mut zu. Gleichzeitig muss sie an die eigene Kindheit zurückdenken und die Suche nach Identität und Selbstvertrauen. "Wir waren auf Sylt auf Klassenfahrt. Meine Haare haben sich nicht bewegt im Wind. Ich habe mich geschämt.  Ich habe die Haare geglättet und sie sind abgebrochen. Die ganzen Phasen in meinem Leben, wo ich mich lieben lernen musste. Darum geht es in dem Song. Mann muss eigentlich wissen, schön ist wie man ist."

Ayo erzählt auf "Royal" in zwölf einfühlsamen Songs zwischen Jazz, Folk und Afro-Soul von ihrem Leben. Nach Stationen in Deutschland, Jamaica, Frankreich und den USA ist Ayo in Lissabon angekommen. Der Blues und die Melancholie Portugals haben bereits hörbar ihren Weg auf das Album gefunden. Auf "Royal" zeigt sich Ayo als gereifte Künstlerin, die weiter Fragen stellt an dieses Leben, aber auch hörbar bei sich angekommen ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Februar 2020 | 07:40 Uhr

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