Kritik zum neuen Album "Cell-0" Apocalyptica kehren zu ihren musikalischen Wurzeln zurück

Die Finnen von Apocalyptica sind damit berühmt geworden, die Stücke ihrer Lieblingsband Metallica auf dem Cello zu interpretierten, rein instrumental. Zwischenzeitlich hat die Cello-Metalband auch mit Keyboards und Gesang gearbeitet, was vielen Fans missfiel. Auf ihrem neuen Album "Cell-0" konzentrieren sie sich jetzt wieder aufs Instrumentale und sind damit dieses Jahr auch auf Tour in Deutschland. MDR KULTUR-Musikkritiker Marcel Anders hat mit Mastermind Eicca Toppinen über die neue Platte gesprochen.

Apocalyptica
Die Liveauftritte der finnischen Band Apocalyptica sind besonders beeindruckend. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Manchmal muss man einen Schritt zu weit gehen, um zu erkennen, dass man einen Fehler macht. Mit dem letzten Album "Shadowmaker" haben wir vielen Fans vor den Kopf gestoßen. Das hat die Frage aufgeworfen: 'Was macht eigentlich die Identität der Band aus?'

Eicca Toppinen von Apocalyptica

Die Antwort liefert Eicca Toppinen mit dem neunten Werk der Finnen – dem ersten seit fünf Jahren: "Cell-0" ist eine Rückkehr zur Instrumental-Musik der frühen Neunziger: Ohne Gesang – nur mit Celli und Schlagzeug. Der Albumtitel "Cell-0" stehe für den Ursprung. Daraus macht Toppinen, ein Baum von einem Kerl, eine richtige Mission. Nach dem Motto: Es täte nicht nur der Band, sondern der gesamten Menschheit gut, sich auf "Cell-0" – also auf ihre Wurzeln – zu besinnen. So stehe "Cell-0" außerdem dafür, dass wir alle miteinander verwandt und Teil desselben Systems seien, erklärt Toppinen.

In der Musik gibt es zum Beispiel nur eine bestimmte Anzahl von Noten, die man immer neu anordnen kann – wodurch sich unterschiedliche Klangwelten ergeben.

Eicca Toppinen von Apocalyptica

Die finnische Band Apocalyptica
Metal auf dem Cello – das sind Apocalyptica. Bildrechte: IMAGO

Wie ein Soundtrack von Hans Zimmer

Toppinen hebt das Klangliche auf die Meta-Ebene. Ein Indiz dafür, dass Apocalyptica Musik mit Anspruch machen. Das beginnt bei einem Hybrid aus Weltmusik, Prog-Rock und Metal – aus Pink Floyd, Vangelis, Metallica und Klassik. Und setzt sich fort in einer visuellen Qualität, die das Kopfkino des Hörers zum Glühen bringt. Die neun Stücke sind wie Soundtracks zu kleinen Spielfilmen und stehen einem Hans Zimmer oder Danny Elfman in Nichts nach – sie beschwören die Fantasie des Konsumenten.

Das ist das Schöne an Instrumental-Musik: Man muss sie nicht erklären, sondern es obliegt dem Hörer, sie auf seine Weise zu entdecken. (...) (D)ie Stücke sind sehr cineastisch und lösen bei jedem andere Gedanken und Gefühle aus.

Eicca Toppinen von Apocalyptica

Mit Songtiteln könne man zwar andeuten, was ihnen beim Schreiben durch den Kopf gegangen sei, erzählt Toppinen. Aber abhängig davon, was sich im Unterbewusstsein abspiele, würden die Stücke jeweils andere Gedanken und Gefühle auslösen. Gute Musik habe die Fähigkeit, das zum Vorschein zu bringen, so Toppinen.

Der Cellist von der finnischen Cello-Metalband Apocalyptica, Eicca Toppinen
Eicca Toppinen von Apocalyptica Bildrechte: dpa

Kunst vor Kommerz

Das klingt hochtrabend – und das ist es auch. "Cell-0" deckt ein imposantes stilistisches Spektrum ab. Es zeugt von handwerklichem Können, Ideenreichtum und hält den Spannungsbogen selbst über die Dauer von 54 Minuten aufrecht. Zudem enthält es keine Hitsingle, keine radiofreundlichen Song-Längen, keine Gast-Beiträge und richtet sich eher an die Freunde von haptischen Tonträgern als von Streaming-Diensten. Ein elitärer Ansatz, der die Kunst bewusst über den Kommerz stellt – mit allen Konsequenzen: Selbst die Band ist der Meinung, dass dieses Album vermutlich kein Besteller wird.

Das ist uns egal. Es bedeutet ja nicht, dass wir es mit weniger Leidenschaft angegangen sind – oder da weniger Ehrgeiz gezeigt haben. Es geht lediglich darum, keine Kompromisse mehr einzugehen.

Eicca Toppinen von Apocalyptica

Der Cellist von der finnischen Cello-Metalband Apocalyptica, Perttu Kivilaakso
Perttu Kivilaakso von Apocalyptica Bildrechte: dpa

Ausgewählte Tourtermine 25. Januar: Berlin, Max Schmeling Halle
30. Januar: Leipzig, Arena

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Januar 2020 | 16:10 Uhr

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