Neues Album The Big Moon: Zwischen Sommerpop und Melancholie

Das punkig-poppige Debüt von The Big Moon ist vor zwei Jahren viel gelobt worden. Nun haben die vier jungen Londonerinnen ihr zweites Album "Walking Like We Do" veröffentlicht – und sind musikalisch erwachsener geworden.

Die vier Moonies nehmen uns auf "Walking Like We Do" mit ans Meer. Ein Sprung ins Wasser im Mondschein, die Nikes lässt man am Strand stehen. Das ist der unbeschwerte Pop-Rock, den wir von den vier Londonerinnen kennen. Wobei man inzwischen auch die kantigen Seiten des Geschäftes kennengelernt hat, als Schlagzeugerin Fern Ford aus Erschöpfung beim Konzert in Toronto zusammenbrach.

Auch daraus hat die Band in den vergangenen Jahren gelernt, sagt Bassistin Celia Archer: "Das Musikerleben kann dich auslaugen, keine Frage. Dazu kommt, dass wir kompromisslos unser Bestes geben wollen." Aber inzwischen habe die Band gelernt, nein zu sagen: "Wir gehen nicht mehr so spät ins Bett, essen gut. Und wir arbeiten mit großartigen Menschen zusammen. Das hilft alles", so Archer.

Songs aus einem Guss

Zu den großartigen Menschen gehört auf dem neuen Album Ben Allen, Produzent von Animal Collective und dem Bombay Bicycle Club. Mit ihm sind die Songs, ob Ballade oder Uptempo, viel stärker aus einem Guss. Die punkig-poppigen Elemente des Debüts sind in den Hintergrund getreten. Da hat Ben Allen geglättet und verfugt, aber nichts glatt gebügelt oder weichpoliert.

"Ben Allen war für unser Album genau die richtige Wahl", meint Bassistin Archer. "Er hörte die Kompositionen von Juliette und war sofort begeistert. Er hatte auch gleich Ideen, wie wir die Songs im Studio umsetzen könnten. Uns war sofort klar, dass wir die richtige Person für unser Album gefunden hatten."

Texte übers Großwerden, den Brexit oder das Klima

The Big Moon - Walking like we do (Cover)
Cover von "Walking Like We Do" von The Big Moon Bildrechte: Fiction

Songs wie "Dog Eat Dog" zeigen, wie sehr sich The Big Moon entwickelt haben, sowohl von Arrangements und Produktion aber auch in den Texten. Juliette Jackson schreibt noch immer die Songtexte, aber die enthalten mehr von der Welt da draußen zwischen Brexit und Klimakrise, sagt Bassistin Celia Archer: "Mit 'Dog Eat Dog' hat Juliette ihren besten Songtext geschrieben. Sie ist als Songwriterin einfach großartig. Sie hat ihre sehr eigene Art, Dinge zu beschreiben."

Bei den Songs für das neue Album sei es Juliette Jackson vor allem darum gegangen, wie es ist, groß zu werden, "wie schrecklich das sein kann, mit welchen Ängsten man sich dabei auseinandersetzen muss. Aber in all ihren Texten steckt auch immer die Hoffnung", meint Archer.

Mehr Raum für den Klang

Die elf Songs auf "Walking Like We Do" springen zwischen Sommerpop und melancholischen Balladen gekonnt hin und her. Wenn man wissen will, wo die Moonies heute stehen, sagt Bassistin Celia Archer, dann wird man auf "Walking Like We Do" gleich am Anfang fündig.

Der Song "It's Easy Then" spiegele ganz klar den Spirit des Albums: "Wir haben den Song auch ganz bewusst an den Anfang gesetzt. In ihm ist alles zusammengefasst, was wir uns vom Sound her vorgenommen hatten. Wir wollten ein Album, das klanglich tiefer geht. Wir wollten mehr Raum. Mehr Instrumente einsetzen. Und mit all dem experimentieren."

Die Moonies sind auf "Walking Like We Do" erwachsener geworden. Songwriting und Produktion haben ein neues, höheres Level erreicht. Besonders bei ihrem Gesang haben die vier zugelegt, mal mit kräftigem Chorgesang, aber auch im Wechselgesang mit Juliette Jackson. Ein erster Hauch von Sommer durchstreift das neue Album. Wenn der auch im Kalender näherrückt, freuen wir uns auf einen Besuch der Band in Deutschland. Am 11. März treten The Big Moon in Berlin auf.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Januar 2020 | 07:10 Uhr

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