Tipps für Filmfans Kinos geschlossen: Filme und Serien für zu Hause

Wegen der Corona-Krise bleiben vielerorts die Kinos geschlossen, aber es gibt Alternativen. In den Mediatheken sind Filme wie "Wildes Herz", die "Paradies-Trilogie" oder "Wild", aber auch Serien wie "Unsere wunderbaren Jahre" und "Klassentreffen" sehenswert. Wer lieber DVDs sammelt, liegt bei der Roy-Andersson-Box richtig.

Unsere wunderbaren Jahre 8 min
Bildrechte: WDR/UFA Fiction/Willi Weber

"Wildes Herz"

Jan "Monchi" Gorkow, 28 Jahre alt, 120 kg schwer, tätowiert an Armen und Beinen. Aufgewachsen in Jarmen, Mecklenburg-Vorpommern. Sänger und Frontmann der Punk-Band "Feine Sahne Fischfilet", die im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns bereits als staatsfeindlich eingestuft wurde. In seiner Jugend Fußballhooligan, mittlerweile engagierter Antifaschist. Warmherzig, aber wütend, überwacht und dennoch frei.

Ein Mann steht barfuss auf einer Wiese vor einer abgezäunten Weide.
Monchi ist Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih

Für sein Langfilm-Debüt hat Schauspieler Charly Hübner (Kommissar Bukow im "Polizeiruf 110") – ebenfalls aus Mecklenburg-Vorpommern – Jan "Monchi" Gorkow drei Jahre lang mit der Kamera begleitet und mit seinen engen Freunden und Verwandten gerdet. Entstanden ist ein bewegender Dokumentarfilm über ein junges Leben im Osten voller Musik und Krawall und Leidenschaft.

Mehr zu "Wildes Herz" Der Film von Charly Hübner und Sebastian Schultz ist in der ARD-Mediathek bis 28. April 2020 verfügbar.

"Isadoras Kinder"

Beim Portal Kino On Demand kann man neben vielen anderen Filmen auch "Isadoras Kinder" sehen, der in Locarno den Leoparden für die beste Regie gewann. Darin zeigt Regisseur Damien Manivel wie Isadora Duncans Tanzsolo "Mother" von drei Darstellerinnen neu interpretiert wird: einem Mädchen mit Downsyndrom, einer jungen angehenden Tänzerin und einer älteren Frau. Duncan gilt als Pionierin des Ausdrucktanzes und ihr Stück "Mother" ist eine Art Trauerbewältigung, in der eine Mutter ihr totes Kind im Arm wiegt, denn Duncan hat ihre beiden kleinen Kinder bei einem Autounfall verloren. Der Film geht von dem Trauma aus und gibt den Staffeltab der Lebenserfahrung an drei Generationen weiter.

Auf Kino On Demand findet wegen der geschlossenen Kino die Deutschlandpremiere statt. Für den Preis einer Kinokarte kann man einen zweitägigen Zugang kaufen. Der Erlös geht komplett an die beteiligten Kinos. Man kann sich aussuchen, welches Kino man unterstützen will.

Mehr zu "Isadoras Kinder" Der Film von Damien Manivel ist bei Kino On Demand kostenpflichtig abrufbar.

"Robert Redford – The Golden Look"

Robert Redford lehnt in einer Filmszene aus "The Old Man & The Gun" an einem Zaun.
Robert Redford Bildrechte: IMAGO

Verruchter Liebhaber und verwegener Romantiker: Robert Redford ist der "blonde Engel" in den Armen von Jane Fonda, Mia Farrow, Faye Dunaway und Meryl Streep. Doch der Leinwandveteran ist weitaus mehr als das Sexsymbol mit dem verwuschelten Blondschopf und den stahlblauen Augen. Regisseur, Schauspieler, Freigeist, Träumer und Idealist – Porträt der facettenreichen Leinwandlegende, das sich vor allem auch auf das politische Engagement Redfords konzentriert.

Mehr zu "Robert Redford – The Golden Look" Der Film von Pierre-Henry Salfati ist in der arte-Mediathek bis 30. März 2020 abrufbar.

Tastatur mit Aufschrift - Movies Online. 7 min
Bildrechte: Colourbox.de
Tastatur mit Aufschrift - Movies Online. 7 min
Bildrechte: Colourbox.de

"12 heißt: Ich liebe Dich"

Wegen verbotener Westkontakte wird Bettina 1985 verhaftet und zur Vernehmung dem jungen Stasi-Offizier Jan vorgeführt. Acht Monate lang sehen sie sich in den Verhören nahezu täglich, und es geschieht in dieser Zeit das Unfassbare: Sie verlieben sich ineinander. Mit wenigen Worten und Gesten verständigen sie sich. Während der Vernehmungen schreibt Bettina in einen Block immer wieder die Zahlen 11 und 12 - "Du bist schön" hat 11 Buchstaben, 12 heißt: "Ich liebe dich".

Der Film mit Claudia Michelsen und Devid Striesow basiert angeblich auf einer wahren Geschichte und ist auch deswegen sehenswert, weil es auf beklemmende Weise das Machtspiel zwischen Stasi-Offizier und inhaftierter Frau zeigt. Grandios inszeniert.

Mehr zu "12 heißt: Ich liebe Dich" Der Film von Connie Walther ist bis 19. Juni 2020 abrufbar.

Bettina (Claudia Michelsen) steht mit Mitarbeitern der Stasi iin einem Raum. 88 min
Bettina (Claudia Michelsen) wird von Mitarbeitern der Stasi ins Gefängnis gebracht. Bildrechte: MDR/UFA/Steffen Junghans

"Max Klinger – Die Macht des Weibes"

Max Klinger Haus in Großjena, Thüringen
Max Klinger Bildrechte: Jan Doerre/MDR

Die Dokumentation "Max Klinger – die Macht des Weibes" wirft einen differenzierten Blick auf den Leipziger Künstler (1857–1920): Auf seine Arbeit als Grafiker und Bildhauer und auf sein zwiespältiges Privatleben, seine offene Beziehung mit der Schriftstellerin Elsa Asenijeff, mit der er ein Kind hat, das beide aber verheimlichen und zu Pflegeeltern geben. Ein Film, durch den Kunstfreunde Klinger aus einer neuen Sicht kennenlernen.

Mehr zu "Max Klinger – Die Macht des Weibes" Regie: Christoph Goldmann, Leif Karpe
Produktion: MDR 2019

In der Arte-Mediathek bis zum 28. März 2020

"Unsere wunderbaren Jahre"

Von links nach rechts stehen die Schauspieler Franz Hartwig, Elisa Schlott, David Schütter, Katja Riemann, Vanessa Loibl, Anna Maria Mühe, Ludwig Trepte, Hans-Jochen Wagner und Thomas Sarbacher bei Dreharbeiten für den dreiteiligen ARD-Fernsehfilm "Unsere wunderbaren Jahre" im Schloss Burg Solingen.
Das Cast von "Unsere wunderbaren Jahre" von links nach rechts: Franz Hartwig, Elisa Schlott, David Schütter, Katja Riemann, Vanessa Loibl, Anna Maria Mühe, Ludwig Trepte, Hans-Jochen Wagner und Thomas Sarbacher. Bildrechte: dpa

Die Miniserie "Unsere wunderbaren Jahre" handelt von starken Frauen in der Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders. Zur prominenten Besetzung gehören etwa Elisa Schlott, Anna Maria Mühe und Katja Riemann. Im Juni 1948 in der Kleinstadt Altena im Sauerland wollen die Menschen die D-Mark und den Wiederaufbau. Die Folgen des Krieges sind noch allgegenwärtig: Ein Totgeglaubter kommt aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück und Fabrikant Wolf möchte sein Metallwerk wieder aufbauen. Dabei setzt er vor allem auf seine Lieblingstochter Ulla – die jedoch ganz andere Träume hat.

Mehr zu "Unsere wunderbaren Jahre" Mi, 18.03. | 20:15 Uhr
Sa, 21.03. | 20:15 Uhr
Mi, 25.03. | 20:15 Uhr

In der ARD Mediathek ist die sechsteilige Serie bis zum 23. Juni 2020 verfügbar.

"Paradies"-Trilogie

Szene aus dem Kinofilm Paradies: Liebe
"Paradies: Liebe" ist ein bitterer Film über Liebe und Geld, über Sarkasmus und Tristesse. Bildrechte: dpa

Eigentlich wollte der österreichische Regisseur Ulrich Seidl nur einen Spielfilm mit drei Handlungssträngen machen. Doch dann ist daraus eine Trilogie über die Themen Liebe, Glaube und Hoffnung geworden, die von der Suche nach dem Glück handelt. Der erste Teil "Paradies: Liebe" zeigt die nicht mehr ganz junge und auch nicht mehr ganz attraktive Teresa, die in Kenia versucht, Sex und Liebe zu bekommen.

Der zweite Teil "Paradies: Glaube" erzählt von Teresas Schwester Anna Maria, die ihr Leben dem Katholizismus verschrieben hat und versucht, Migranten und Alkoholiker zum Glauben zu bekehren. Der dritte Teil "Paradies: Hoffnung" handelt von Teresas Tochter Melanie, die die Ferien in einem Diät-Camp verbringt, wo sie sich in einen 40 Jahre älteren Kinderarzt verknallt.

Die "Paradies"-Trilogie in der ARD Mediathek "Paradies Liebe": abrufbar bis zum 9. April 2020 (nur nach 22 Uhr)
"Paradies Glaube": abrufbar bis zum 16. April 2020 (nur nach 22 Uhr)
"Paradies: Hoffnung": abrufbar bis zum 23. April 2020

"Klassentreffen"

Guido Renner, Jan Georg Schuette, Jeanette Hain und Annette Frier mit Cast und Crew bei der Premiere der ONE TV-Serie Klassentreffen, 2019
Cast und Crew von "Klassentreffen" bei der Serienpremiere im Jahr 2019. Bildrechte: imago images / Future Image

17 ehemalige Mitschüler und Mitschülerinnen kommen 25 Jahre nach Schulabschluss wieder zu einem Klassentreffen zusammen. Regisseur Jan Georg Schütte ist ein interessanter, amüsanter und aufregender Film gelungen. Und das liegt vor allem an den Schauspielerinnen und Schauspielern, die hier frei improvisieren durften: ohne Drehbuch, nur mit Rollenprofil. Das ist mal herzzerreißend, mal zum Totlachen, mal zum Fremdschämen. Denn die Charaktere sind so angelegt, wie man sie aus jeder Klasse kennt.

Mehr zu "Klassentreffen" Die sechsteilige Serie ist bis zum 7. Juni 2020 in der ARD Mediathek abrufbar.

"Wild"

Regisseurin Nicolette Krebitz (links) und Schauspielerin Lilith Stangenberg bei der Premiere des Films "Wild" im Jahr 2016.
Regisseurin Nicolette Krebitz (links) und Schauspielerin Lilith Stangenberg bei der Premiere des Films "Wild" im Jahr 2016. Bildrechte: dpa

Ania (Lilith Stangenberg) arbeitet als Büroangestellte und ist ein Mauerblümchen. Ihr eintöniges und zurückgezogenes Leben nimmt jedoch eine Wendung, als sie eines Tages auf dem Weg zur Arbeit einen Wolf sieht. Die Begegnung lässt sie nicht mehr los und weckt in Ania eine Sehnsucht nach Freiheit und Ursprünglichkeit. Der Spielfilm "Wild" von Nicolette Krebitz spielt etwa in Halle und ist eine radikale Liebesgeschichte, die von der Kritik gefeiert wurde.

Mehr zu "Wild" Der Film ist bis zum 10. April 2020 bei Arte abrufbar und nicht für Kinder, Jugendliche sowie empfindsame Zuschauerinnen und Zuschauer geeignet.

DVD-Tipp: Roy-Andersson-Box

In einer Filmszene aus «Über die Unendlichkeit» scheint ein umschlungenes Paar durch die Luft zu fliegen.
Der Start von "Über die Unendlichkeit" wurde verschoben, aber es bleibt noch die Roy-Andersson-Box. Bildrechte: imago images/Prod.DB

Der schwedische Regisseur Roy Andersson gehört zu den eigenwilligsten Filmemachern Europas. Der Start seines neuen Films "Über die Unendlichkeit" wurde verschoben, aber seine legendäre Trilogie über das Wesen des Lebens gibt es in einer schönen DVD-Box.

Die Box besteht aus "Songs from the Second Floor" (2000, begründete Anderssons Ruhm), "Das jüngste Gewitter" (2007) und seinem wohl bekanntesten Film mit dem langen Titel "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach", für den er 2014 den Goldenen Löwen erhielt. Der Regisseur bedient sich für seine Tableaus im Arsenal der Kunstgeschichte bei Matisse, Chagall, Goya und bei deutschen Künstlern der 20er-Jahre wie Otto Dix.

Mehr zur Roy-Andersson-Box Enthaltene Filme:
"Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach"
"Das jüngste Gewitter"
"Songs from the Second Floor"

Netflix-Serie "Freud"

Szenenbild aus der Serie "Freud"
Bei der Umsetzung von "Freud" nahm sich Regisseur Marvin Kren viele Freiheiten. Bildrechte: Netflix/Jan Hromadko

Die achtteilige Netflix-Serie "Freud" nimmt den Zuschauer mit ins historische Wien gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der junge Sigmund Freud wird darin als Getriebener dargestellt: Er forscht, kokst, nimmt an Seancen teil und experimentiert mit Hypnose.

"Freud" ist kein biografisch verbürgtes Biopic des berühmten Psychologen. Stattdessen bedient sich Regisseur Marvin Kren ("4 Blocks") an Horrofilm-Elementen und entspinnt um seine drei Hauptfiguren einen Mix aus Kriminalgeschichte, Mysterythriller und Sittenbild einer Stadt. Die Geschichte um Freud (Robert Finster), Medium Fleur Salome (Ella Rumpf) sowie Polizist und Kriegsveteran Alfred Kiss (Georg Friedrich) nimmt dabei langsam an Fahrt auf und wird dann zur wilden Achterbahnfahrt.

Auch interessant

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. März 2020 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2020, 11:00 Uhr

Abonnieren