Unterstützung Corona-Krise: Hilfen für die freie Theaterszene

Geschlossene Theater, leere Sitzreihen, abgesagte Aufführungen: Auch die freie Theaterszene leidet unter der Corona-Krise. Die Kreativen verzeichneten schon in der Vergangenheit eine eher spärliche finanzielle Unterstützung und konnten nur selten Rücklagen bilden. Da sie häufig "gegen die Kasse" spielen, ist der Verdienstausfall durch Veranstaltungsabsagen für sie besonders schmerzlich. Doch es gibt auch Hilfsangebote, die sich speziell an die freie Theaterszene richten. Eine Übersicht.

Berlin: "Alle Vorstellungen sind abgesagt." ist über den Spielplan vom Theater am Palais geklebt.
Abgesagte Veranstaltungen machen in der Corona-Krise besonders auch der freien Theaterszene zu schaffen. Bildrechte: dpa

Hilfe-Paket "Neustart Kultur"

Vom Konjunkturpaket des Bundes erhält die Kultur eine Milliarde Euro für den sogenannten "Neustart Kultur". 250 Millionen Euro stehen für pandemiebedingte Investitionen, wie neue Belüftungssysteme oder abstandsgerechte Bestuhlung zu Verfügung. 150 Millionen gibt es für die Förderung alternativer, auch digitaler Angebote. Allein 480 Millionen Euro sollen dafür eingesetzt werden, Kulturschaffende aus der Kurzarbeit zu holen und ihr Wirken zu finanzieren. Die Milliarde soll mit Hilfe der vielen Berufsverbände verteilt werden. Für Theater und Tanz stehen 150 Millionen Euro bereit. Das betrifft Privattheater, Festivals, Veranstalter und Vermittler. Das Paket ist zwar vom Kabinett bereits beschlossen, Bundesrat und Bundestag müssen dem Nachtrag zum Bundehaushalt allerdings noch zustimmen. Die Verabschiedung ist für Anfang Juli vorgesehen, der Start der Programme soll unmittelbar darauf erfolgen, heißt es von Seiten des Kulturstaatsministeruims.

Sonderprogramm "Kultur ans Netz" in Sachsen-Anhalt

Mit einem sechs Millionen Euro umfassenden Programm "Kultur ans Netz" will Sachsen-Anhalt den Kulturbereich unterstützen. Gefördert werden laut Kulturministerium Projekte von Freiberuflern, die hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende Kunst, Medienkunst, Darstellende Kunst, Literatur und intermedialen Kunstformen tätig sind. Für die Erarbeitung einer präsentationsreifen künstlerischen Leistung gewährt das Land einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro monatlich, für die Dauer von bis zu drei Monaten. Anträge könnten voraussichtlich ab Mitte Juni über das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt gestellt werden.

Zuwendungsvoraussetzungen sind ein Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt sowie eine Mitgliedschaft in der Künstler- und Sozialkasse (KSK). Alternativ gilt ein Nachweis einer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit in Sachsen-Anhalt durch geeignete Unterlagen. Eingereicht werden muss außerdem ein Kurzkonzept zum Vorhaben. Die geförderten Projekte sollen auch im Landesportal unter www.kultur.sachsen-anhalt.de präsentiert werden.

Fördermittel der Kulturstiftung des Bundes

Die Kulturstiftung des Bundes will 14,6 Millionen Euro in Programme und Projekte stecken. Dazu gehört etwa ein "Jupiter" genanntes Programm zur Stärkung des Kinder- und Jugendtheaters. Mit 3,7 Millionen Euro bis zum Jahr 2026 sollen innovative Produktionen, Stärkung von internationaler Vernetzung, Austausch und Kooperation sowie Interesse am Kinder- und Jugendtheater gefördert werden, wie die Stiftung mitteilte. In Städten und Regionen ohne Häuser mit eigenen festen Theater- oder Tanzensembles sollen bis 2026 weitere 20 Gastspielkooperationen unterstützt werden. Dafür stellt die Stiftung 2,8 Millionen Euro bereit. Die künstlerische Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Ländern und Deutschland will die Stiftung bis 2024 mit vier Millionen Euro fördern.

Mit dem Stipendienprogramm "Reload" will die Kulturstiftung des Bundes insbesondere freien Gruppen in der Corona-Krise helfen. 230 Gruppen ab drei Mitgliedern sollen eine Förderung von 25.000 Euro bekommen. Durch eine Aufstockung um 2,5 Millionen Euro aus dem Etat von Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist das Programm mit insgesamt 5,75 Millionen Euro ausgestattet.

"Sachsen hilft sofort"

Bei dem Programm "Sachsen hilft sofort" gibt es Darlehen zwischen 5.000 Euro und maximal 50.000 Euro für Solo-Selbständige, Kleinstunternehmen und Freiberufler in Sachsen. Deren Umsatzrückgang in Folge der Corona-Krise muss mindestens 20 Prozent für das laufende Geschäftsjahr betragen, um vom Programm unterstützt zu werden. In besonderen Ausnahmefällen, die begründet werden müssen, kann der Darlehensbetrag nach vier Monaten auf insgesamt bis zu 100.000 Euro aufgestockt werden.

Nicht gefördert werden Selbstständige, die die Tätigkeit im Nebenerwerb ausüben. Die Laufzeit des zinslosen Darlehens aus Mitteln des Freistaates Sachsen beträgt zehn Jahre, 36 Monate sind davon tilgungsfrei. Die Beantragung erfolgt über die Sächsische Aufbaubank – Förderbank (SAB). Eine Antragsstellung ist bis 30. September 2020 möglich.

Ich finde, die Mittel, die Sachsen mit 'Sachsen hilft sofort' zur Verfügung stellt, sind etwas sehr Hervorragendes.

Helge-Björn Meyer, Leiter der Servicestelle Freie Szene für Sachsen
Der Dresdner Künstler Helge-Björn Meyer erklärt zum Auftakt, wie es zu dem Fahrrad-Kunst-Parkour kam. 9 min
Der Dresdner Künstler Helge-Björn Meyer erklärt zum Auftakt, wie es zu dem Fahrrad-Kunst-Parkour kam. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Aufgrund der Corona-Krise haben Bund und Länder ein Hilfprogramm aufgelegt, das auch Künstlern helfen soll. Ein Gespräch mit dem Leiter der Servicestelle Freie Szene für den Freistaat Sachsen, Helge-Björn Meyer.

MDR KULTUR - Das Radio Di 07.04.2020 17:40Uhr 09:11 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Dresdner Künstler Helge-Björn Meyer erklärt zum Auftakt, wie es zu dem Fahrrad-Kunst-Parkour kam. 9 min
Der Dresdner Künstler Helge-Björn Meyer erklärt zum Auftakt, wie es zu dem Fahrrad-Kunst-Parkour kam. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Aufgrund der Corona-Krise haben Bund und Länder ein Hilfprogramm aufgelegt, das auch Künstlern helfen soll. Ein Gespräch mit dem Leiter der Servicestelle Freie Szene für den Freistaat Sachsen, Helge-Björn Meyer.

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#takecare für freischaffende Darsteller

Mit dem Sonderprogramm #takecare reagierte der Fond Darstellende Künste auf die Ausfälle von Aufführungen, Proben und Premieren durch die Corona-Krise. Freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern sollte damit eine bezahlte künstlerische Tätigkeit unter den derzeitig geltenden Rahmenbedingungen ermöglicht werden. Dazu mussten sie nachweislich in den letzten zehn Jahren künstlerisch in einer vom Fonds geförderten Produktion mitgewirkt haben. Die Antragssumme, die auf nachweisbaren Einnahmeausfällen basieren muss, betrug maximal 5.000 Euro.

"Miete zu Zeiten von Corona"

500 Euro Soforthilfe für Theaterschaffende gibt es bei der Aktion "Miete zu Zeiten von Corona". Die Spenden-Aktion entstand aus dem Gedanken, dass die von der Corona-Krise betroffenen freischaffenden Künstler möglichst schnell und unbürokratisch Hilfe benötigen. Initiiert hat die Aktion das ensemble-netzwerk, durchgeführt wird sie vom Bundesverband Freie Darstellende Künste. Wer die finanzielle Unterstützung erhält, wird nach Prüfung der Berechtigung im Losverfahren entschieden. Bedürftigkeitsnachweise sind beispielsweise Verträge oder Screenshots von Vorstellungsabsagen.

Bewerben konnten sich alle Kunstschaffenden, die Mitglied im Aktionsbündnis Darstellende Künste sind, einem Zusammenschluss von verschiedenen Verbänden aus dem Theaterbereich. Dazu gehören: art but fair, Bund der Szenografen, Bundesverband Freie Darstellende Künste, Dramaturgische Gesellschaft, dramaturgie-netzwerk, ensemble-netzwerk, junges ensemble-netzwerk, regie-netzwerk, Pro Quote Bühne, Freie Ensembles und Orchester in Deutschland e.V., Netzwerk Flausen+, Ständige Konferenz Schauspielausbildung (SKS). Bewerbungsschluss für die mittlerweile dritte Runde war der 10. Juni.

Leipziger Kulturfallschirm

Der Leipziger Kulturfallschirm ist eine Spendenaktion des Kulturprojektbüros Grote & Thomas für Kulturschaffende der freien Szene in Leipzig, die durch die Corona-Krise teilweise existenzbedrohende finanzielle Probleme haben. Das gespendete Geld soll gleichmäßig verteilt werden, der Höchstbetrag pro Person liegt bei 1.000 Euro. Bei der Förderung wird nicht nach Sparten oder Gewerken unterschieden, laut den Initiatoren können auch Instrumentenbauer, Musikalienhändler oder freie Kostüm- und Maskenbildner durch den Kulturfallschirm unterstützt werden.

Die Künstler konnten auch einen Gegenwert für die Spenden anbieten – von virtuellen Umarmungen und Karmapunkten über Bücher, Hauslesungen, Führungen durch die Musikstadt Leipzig bis hin zu Wohnzimmerkonzerten. Bis zum 15. April 2020 konnte man sich für die Unterstützung durch den Leipziger Kulturfallschirm bewerben.

Hilfe in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen

Alle drei Bundesländer haben auch eigene Anlaufstellen für freie Theaterschaffende. In Sachsen-Anhalt ist es das Landeszentrum Freies Theater Sachsen-Anhalt e.V. (LanZe), in Thüringen die Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater und in Sachsen die Servicestelle Freie Szene. Hier können Kreative Hilfen für ihre Region erfragen und auf konkrete Probleme hinweisen.

Wir sind auch telefonisch zu erreichen und helfen sehr gern und auch schnell weiter. Unsere Website wird täglich aktualisiert, Social-Media-Kanäle ebenfalls.

Helge-Björn Meyer, Leiter der Servicestelle Freie Szene für Sachsen

Notfallhilfe der GVL

Schlagzeug und Mikrofon auf einer Bühne.
Zur freien Theaterszene gehören auch Live-Musiker Bildrechte: Colourbox.de

Eine einmalige Hilfe von 250 Euro vergibt die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsrechten (GVL) an ihre Wahrnehmungsberechtigten, die ausschließlich freiberuflich oder kurzfristig beschäftigt tätig sind und durch die Corona-Krise Veranstaltungs- oder Produktionsabsagen und damit Honorarausfälle hinnehmen mussten. Die Antragsteller müssen an mindestens einer GVL-Verteilung teilgenommen haben und den Verdienstausfall nachweisen. Sollten beispielsweise Synchronsprecher den Verdienstausfall durch entgangene Produktionen nicht direkt nachweisen können, können sie ihre konkrete Situation auch schriftlich schildern und die Richtigkeit per Unterschrift bestätigen. Die Antragstellung war nur bis zum 30.04.2020 möglich.

Corona-Nothilfeprogramm der GEMA

Der "Schutzschirm LIVE" ist eine pauschale Nothilfe der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) für Komponisten und Textdichter, die vorrangig als Performer auftreten. Musikurheber, die von der Corona-Krise betroffen sind, können eine Vorauszahlung auf ihre künftigen Ausschüttungen in den Live- und Wiedergabesparten beantragen. Die Antragstellung erfolgt über das GEMA-Onlineportal für Mitglieder.

Zudem hat die GEMA aus den Mitteln für soziale und kulturelle Förderung einen Corona-Hilfsfonds eingerichtet. Existenziell gefährdete GEMA-Mitglieder können eine einmalige persönliche Übergangshilfe beantragen, die bis zu 5.000 Euro betragen kann.

Gutscheine statt Erstattungen

Tickets und Dauerkarten für Theater bleiben in der Coronakrise ungenutzt. Deshalb hatten Verbraucher bislang Anspruch auf Erstattung der Kosten. Doch dadurch könnten massenweise Veranstalter wie Theater in die Pleite rutschen. Deshalb hat die Bundesregierung beschlossen, dass Kunden bei Absagen vorübergehend in der Regel nicht ihr Geld zurück bekommen, sondern Gutscheine. Diese müssen bis Ende 2021 eingelöst werden - wenn nicht, bekommen die Kunden dann doch das Geld zurück. Die Regelung soll für alle Tickets gelten, die vor dem 8. März gekauft wurden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. April 2020 | 17:10 Uhr

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