Übersicht Corona-Krise: Diese Hilfen gibt es für bildende Künstlerinnen und Künstler

Die finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise sind für viele Künstlerinnen und Künstler existenzgefährdend. Doch sowohl Bund als auch Länder wollen helfen. Welche Angebote gibt es und wem helfen sie? Eine Übersicht.

Welche Einbußen haben bildende Künstlerinnen und Künstler durch die Corona-Krise?

Ausstellungen, die ausfallen, machen einen großen Teil der Krisensituationen aus. Dazu gehören auch Ausstellungen, die im Ausland stattfinden sollten und für die die Flüge, Transporte etc. schon bezahlt waren. Residenzen und Symposien fallen genauso aus wie Workshops in Jugendeinrichtungen oder Hochschulen, bei denen Künstlerinnen und Künstler oft auch als Kunstvermittler Geld verdienen. Geschäfte, die Kunst verkaufe, haben zugemacht, Kunsthandwerksmärkte und -messen fallen aus. Das ist für Künstlerinnen besonders existenzbedrohend, weil viele auch schon vor Corona von der Hand in den Mund gelebt haben.  Das Jahreseinkommen 2019 bei weiblichen Künstlerinnen lag bei Bildhauerinnen um die 9.300 Euro bei Malerinnen und Grafikerinnen bei 10.000 Euro und bei Holz- und Metall-Gestalterinnen um die 10.500 Euro, hat Ruth Heftrig vom Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Sachsen-Anhalt errechnet. Das sind weit weniger als 100 Euro im Monat. Diese Künstlerinnen können also auf keinerlei Rücklagen zurückgreifen.

Welche Soforthilfen gibt es vom Bund?

Ein aufgeklappter Laptop, in dessen Bildschirm der Antrag auf Soforthilfen zu sehen ist.
Selbständige können einen Antrag auf Soforthilfe stellen Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Der Bund hat ein allgemeines Nothilfeprogramm für Kleinstunternehmen und Soloselbständige aufgelegt, das über die Bundesländer verwaltet wird. Antragsberechtigt sind Soloselbständige, Angehörige der Freien Berufe und kleine Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten. Unternehmen bzw. Selbständige mit bis zu 5 Beschäftigten, also auch Bildende Künstlerinnen und Künstler, können einen einmaligen Zuschuss von bis zu 9.000 Euro für drei Monate beantragen. Diese bundesweite Soforthilfe muss nicht zurückgezahlt werden. Der Zuschuss ist steuerpflichtig, wenn im Jahr 2020 ein positiver Gewinn erwirtschaftet wird. Es dürfen keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten vor März 2020 bestanden haben, der Schaden muss nach dem 11. März 2020 eingetreten sein. Der Antrag muss bis zum 31.05.2020 bei der zuständigen Landesbehörde gestellt werden.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen-Anhalt?

In Sachsen Anhalt ist die Investitionsbank damit beauftragt, die Antragstellung und die Auszahlungen abzuwickeln. Hier können bildende Künstlerinnen und Künstler, also Soloselbständige, eine Soforthilfe von bis zu 9.000 Euro beantragen, wenn sie laufende Kosten nicht mehr decken können. Beispielsweise Ateliermieten, Versicherungen, Mitgliedsbeiträge, Abos für Software oder Lizenzen können dadurch abgefedert werden. Das eigne sich zwar dazu, Insolvenzen zu verschieben, aber neue Einnahmen werden darüber natürlich nicht generiert, mahnt Ruth Heftig vom BKK. In Sachsen-Anhalt können monatlich 400 Euro pro Person für bildende Künstlerinnen und Künstler bezahlt werden – allerdings bislang nur für zwei Monate.

Neu aufgelegt wurde Ende Mai 2020 das sechs Millionen Euro umfassende Programm "Kultur ans Netz" für den Kulturbereich. Gefördert werden laut Kulturministerium auch Projekte von Freiberuflern, die hauptberuflich in den Sparten Bildende Kunst, Medienkunst und intermedialen Kunstformen tätig sind. Für die Erarbeitung einer präsentationsreifen künstlerischen Leistung gewährt das Land einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro monatlich, für die Dauer von bis zu drei Monaten. Anträge könnten voraussichtlich ab Mitte Juni über das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt gestellt werden. Zuwendungsvoraussetzungen sind ein Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt sowie eine Mitgliedschaft in der Künstler- und Sozialkasse (KSK). Alternativ gilt ein Nachweis einer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit in Sachsen-Anhalt durch geeignete Unterlagen. Eingereicht werden muss außerdem ein Kurzkonzept zum Vorhaben. Die geförderten Projekte sollen auch im Landesportal unter www.kultur.sachsen-anhalt.de präsentiert werden.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen?

Der Freistaat Sachsen gewährt zinsfreie Darlehen, die drei Jahre lang nicht zurückgezahlt werden müssen. Eine Bonitätsprüfung entfällt. Beantragt werden können sie bei der Sächsischen Aufbaubank. Dort können auch Zuschüsse für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen mit bis zehn Mitarbeitenden beantragt werden, sollten sie durch die Corona-Krise wirtschaftlich existentiell betroffen sein (siehe oben: Betriebsmittelzuschuss).

Ein Stipendium von 2.000 Euro können sächsische Künstlerinnen und Künstler der Sparten Darstellende und Bildende Kunst, Musik, Literatur und Film bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen beantragen. Unter dem Titel "DenkZeit" sollen sie damit ermutigt werden, an ihrer künstlerischen Arbeit festzuhalten. Zur möglichen inhaltlichen Ausrichtung erläutert Stiftungsdirektor Dr. Manuel Frey: "Das Stipendium ist offen für unterschiedliche Ansätze und Formate. So können beispielsweise Recherche- und Konzeptarbeiten oder Ideen der künstlerischen Reflexion der Krise ebenso Gegenstand des Stipendiums sein wie das Ausloten digitaler Interaktionstechniken, die Erprobung von Veranstaltungsformaten im virtuellen Raum oder die Restrukturierung von Arbeitsprozessen." Eine kurze Skizzierung des Vorhabens genügt. Die einmalige Zuwendung wird für die Dauer von zwei Monaten gewährt. Zwei Millionen Euro hat der Sächsische Landtag für das Programm bewilligt. Beantragt können die Stipendien ausschließlich über ein Online-Formular auf der Webseite der Kulturstiftung. Weitere Fördermöglichkeiten bestehen dort auch über die Kampagne "So geht sächsisch."

Einzelne Städte gewähren zudem Sonderhilfen, so wird in Leipzig die Gewerbesteuer ausgesetzt, Dresdner Kreative können einen Pauschalzuschuss von 1.000 Euro erhalten. Auf der Webseite kreatives-sachsen.de findet sich eine umfangreiche Auflistung möglicher Hilfen, zum Beispiel für Städte wie Dresden oder Leipzig, durch Verwertungsgesellschaften wie auch die VG Bild-Kunst.

Welche Hilfen gibt es in Thüringen?

Die Soforthilfe des Landes ergänzt die Bundesgelder, um auch größere Unternehmen zu unterstützen. Ab Mitte KW 14 wird ein neues Formular zur Verfügung stehen, das die Gelder aus dem Förderprogramm des Bundes mit einbeziehen wird. Alle bis dahin eingegangenen Anträge werden dann nachbearbeitet und es wird eine weitere Auszahlung – gemäß der Summe des Bundesprogramms – angewiesen. Solo-Selbstständige und Unternehmen mit bis zu 5 Mitarbeitern können 9.000 Euro (vor dem Bundesprogramm 5.000 Euro) erhalten.

Was muss ich bei den Anträgen beachten?

Antrag auf Kurzarbeit.
Antrag beim Jobcenter Bildrechte: imago images/foto2press

Das Formular ist sehr kurz und recht einfach auszufüllen. Aber es gibt noch Unstimmigkeiten bei den genauen Kriterien, wie zum Beispiel die die Verdienstausfälle, die jetzt eingetreten sind, genau nachgewiesen werden können. Das ist bei bildenden Künstlern nicht so einfach wie bei einem Musiker, dessen Konzert abgesagt wurde, für das er ein bestimmtes Honorar ausgezahlt bekommen hätte.. Bei den Ausstellungen, Märkten, Galerieausstellung und ähnlichem hoffen die bildenden Künstlerinnen auf Einnahmen, die sie aber im Vorhinein nicht genau beziffern können. Daher rät der BBK ihnen, alles gut zu dokumentieren und aufzuschreiben, was jetzt wegfällt, und sich das von den Auftraggebern bestätigen zu lassen. Dafür stellt er Hilfen für die Dokumentation und Ausfüllhilfen zur Verfügung, auch wenn sich noch nicht genau beziffern lässt, wie viel Geld den Künstlerinnen und Künstlern verloren geht.

Wann bekomme ich Grundsicherung?

Wer zu wenige oder keine eigenen Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts zur Verfügung hat, kann Grundsicherung beantragen. Ansprechpartner ist das zuständige Jobcenter.

Für Neuanträge auf Grundsicherung (ALG II) ab dem 1. März bis einschließlich zum 30. Juni 2020 gelten Erleichterungen. Wichtig für Künstlerinnen und Künstler ist, dass die Selbstständigkeit  beibehalten werden kann und nicht aufgegeben werden muss. Es entfällt zudem für die ersten 6 Monate die Vermögensprüfung, wenn erklärt wird, dass kein erhebliches Vermögen vorhanden ist. In den ersten 6 Monaten des Leistungsbezugs werden die Ausgaben für Miete und Heizung für die Wohnung in tatsächlicher Höhe anerkannt.

Wer ein Einkommen hat, das zwar für ihn, aber nicht für seine Familie reicht, bekommt einen Kinderzuschlag als Alternative zur Grundsicherung erhält.  Bei Neuanträgen ist nun nur noch das Einkommen des letzten Monats (anstelle des letzten halben Jahres) entscheidend. Bei Einkommensverlusten etwa von selbstständigen Eltern entsteht so schneller ein Anspruch.

Gibt es Hilfe von der VG Bild-Kunst und der Künstlersozialkasse?

Münzen um den Schriftzug Künstlersozialkasse
Der Versicherungsschutz bei der KSK bleibt erhalten Bildrechte: IMAGO/Jens Schicke

Der Vorstand des Sozialwerks der Bild-Kunst hat entschieden, mangels substanzieller liquider Mittel vorerst keinen Corona-Sonderfonds aufzulegen. Stattdessen werden Sozial- und Kulturwerk finanziell und administrativ gestärkt, um in den nächsten Monaten die erwartbaren, steigenden Antragszahlen zu bewältigen. Doch die Bild-Kunst konnte eine Sonderausschüttung an über 30.000 Berechtigte über einen Gesamtbetrag von ca. 11 Mio. Euro anweisen. Es handelt sich um einen Zuschlag auf die regulären Ausschüttungen 2008 – 2015. Die Abrechnungsunterlagen werden die Mitglieder voraussichtlich erst in der 2. Aprilwoche per Post erreichen.

Die Künstlersozialkasse sichert den Versicherungsschutz auch bei Zahlungsschwierigkeiten: Bei akuten Zahlungsschwierigkeiten werden Beiträge gestundet. Der Versicherungsschutz bleibt auch erhalten, wenn nach eigener Einschätzung das Mindesteinkommen nicht erreicht wird. Meldungen zu Einkommensänderungen können eingereicht werden.

Anmerkung der Redaktion: Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Kreative und die Corona-Krise

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. April 2020 | 16:10 Uhr

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