Gespräche und Lesungen Preis der Leipziger Buchmesse: Die Nominierten stellten sich vor

Am 12. März wird der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Die fünf nominierten Autorinnen und Autoren in der Kategorie Belletristik präsentierten sich am 22. Februar bereits vor Leipziger Publikum. Auf Einladung von MDR Kultur und Deutschlandfunk Kultur waren Ingo Schulze, Lutz Seiler, Leif Randt, Maren Kames und Verena Güntner in Gespräch und Lesung zu erleben.


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MDR KULTUR - Das Radio Do 27.02.2020 22:00Uhr 72:35 min

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Taufrisch sollen sie sein, die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse, der am 12. März vergeben wird. Bei einem ersten Stelldichein vor Leipziger Publikum greift Autor Leif Randt denn auch wie zum Beweis in die Hosentasche und holt sein Mobiltelefon heraus, um aus seinem Roman "Allegro Pastell" zu lesen. Dass das gedruckte Buch noch nicht da sei, liege am Kölner Karneval, erzählt er. Aber ein quasi papierloser Autor zu sein, findet er auch zeitgemäßer. Nicht blättern und knistern zu müssen, sondern einfach das Smartphone zu ziehen, das sei "der alltägliche, natürlichere Akt".

Leif Randt
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Das Publikum in der Diskothek des Leipziger Schauspiels scheint sich daran nicht zu stören. Das Setting passt auch deswegen so gut, weil Leif Randt in seinem Roman eine Liebesgeschichte erzählt, in der ein Großteil der Kommunikation über digitale Kanäle läuft. Witzig und tiefgründig, lobt eine Zuhörerin, nachdem Randt eine Passage aus dem ersten Kapitel gelesen hat.

Dicht dran am Zeitgeist ...

Katrin Schumacher posiert für ein Foto. Im Hintergrund Regale mit Büchern. 6 min
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Es ist wieder Buchmessezeit: Am 11. Februar werden die Nominierten im Wettbewerb um den Preis der Leipziger Buchmesse bekanntgegeben. Vorab spricht Jurymitglied Katrin Schumacher über ihre Arbeit.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 10.02.2020 07:10Uhr 06:14 min

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Dicht dran am Zeitgeist sind auch die anderen vier nominierten Autorinnen und Autoren, die jeweils auf ganz eigene Alltagsbeobachtungen zurückgreifen. Ingo Schulze geht mit seinem Gesellschaftsroman "Die rechtschaffenen Mörder" ins Rennen um den mit 20.000 Euro dotieren Preis in der Kategorie Belletristik. Im Mittelpunkt steht ein einst hoch geachteter Antiquar, "der in den neuen Zeiten, als die Kunden ausbleiben, versucht, seine Position zu behaupten". Er scheint dabei zum fremdenfeindlichen Reaktionär zu mutieren.

Angesiedelt hat Schulze die Geschichte in Dresden-Blasewitz, das er, wie er am Abend erzählt, schon seit seiner Kindheit kennt. Sowohl der selbstironische Ton als auch die persönlichen Parallelen zwischen Autor und Figuren machen die Geschichte aus Sicht eines Zuhörers glaubwürdig, "weil sie von Leuten erzählt, die in der DDR im Mittelpunkt standen, eine gewisse Position hatten, aber durch die Wende an den Rand gedrängt wurden".

... und am Publikum

Sich in die Protagonistinnen und Protagonisten hineinversetzen zu können, ist der potenziellen Leserschaft besonders wichtig. Eine Besucherin spricht das Langgedicht von Maren Kames "Luna, Luna" an. Die sehr poetische Art und Weise erzeuge spontan Nähe, während die Geschichten der anderen Autoren zu konstruiert auf sie wirkten.

Autorin Verena Güntner
Neue Stimmen: Autorin Verena Güntner Bildrechte: Stefan Klüter/DuMont Buchverlag/dpa

In gewisser Weise mag das stimmen, ob Verena Güntner, die ihre Geschichte "Power" aus kindlicher Perspektive erzählt, oder Lutz Seiler, der seinen Roman "Stern 111" im Berlin der Nachwendezeit ansiedelt; alle Nominierten schaffen mit ihren Werken eine Art eigenen Kosmos. Die Vorstellungsrunde in Leipzig war als Einladung gedacht, sich auf die unter Umständen gar interstellare Reise der Lektüre zu begeben und dann dem persönlichen Favoriten die Daumen zu halten, am 12. März in der Glashalle auf der Neuen Messe.

Die Nominierten der Kategorie Belletristik im Überblick

Mehr über die Nominierten

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Februar 2020 | 22:00 Uhr

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