Auch "Leipzig liest" und Manga-Comic-Con betroffen Leipziger Buchmesse abgesagt

Die Leipziger Buchmesse findet nicht statt. Das entschieden am Dienstag Vertreter der Messe gemeinsam mit der Stadt Leipzig. Bei der Entscheidung handele es sich um eine Präventionsmaßnahme im Hinblick auf das sich ausbreitende Coronavirus. Ebenfalls abgesagt sind das Lesefest "Leipzig liest" und die Manga-Comic-Con.

Die Leipziger Buchmesse findet in diesem Jahr nicht statt. Das teilten am Dienstag die Messeleitung gemeinsam mit der Stadt Leipzig mit. Auch ein Vorstandsmitglied des Börsenvereins des deutschen Buchhandels bestätigte die Absage MDR KULTUR.

Ob und in welcher Form der Preis der Leipziger Buchmesse vielleicht trotzdem verliehen wird, steht momentan noch nicht fest. Wie eine Sprecherin mitteilte, sei die Messe gerade dabei, diese Frage zu klären. Insgesamt ist der Preis, der in drei Kategorien vergeben wird, mit 60.000 Euro dotiert. Nominiert sind 15 Autorinnen und Autoren.

Absage ist Präventionsmaßnahme

Grund für die Absage ist die Gefahr durch das sich ausbreitende Coronavirus. Weiter hieß es, es handele sich um eine Präventionsmaßnahme, damit sich das Virus nicht weiter in Deutschland ausbreiten könne. Die Entscheidung, die Buchmesse in diesem Jahr ausfallen zu lassen, sei gemeinsam von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, dem Gesundheitsamt und der Messe getroffen worden, sagte ein Sprecher der Stadt. Jung sagte in einem Statement, die Entscheidung sei auf Empfehlung der Fachbehörden getroffen worden, da "sie allein über die notwendigen Fachkenntnisse und Kompetenz zur Lagebeurteilung" verfügten.

Bedauern über Absage

Der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner, sagte, "Sicherheit geht vor." Man habe zwar laufend die Sicherheitsvorkehrungen erhöht, aufgrund der aktuellen Lage schätze man das Gesundheitsrisiko für die Besucher und Mitarbeiter der Buchmesse als zu groß ein. Auch Oliver Zille, der Direktor der Leipziger Buchmesse, meldete sich zu Wort. Man bedauere die Messe absagen zu müssen.

Halbnahes Porträt von Oliver Zille, dem Chef der Leipziger Buchmesse: Mann mit Anzug und runder Brille vor bildfüllender, leicht unscharfter, farbig gestalteter Treppe mit Buchmesselogo im Hintergrund
Bildrechte: Leipziger Messe

Solch eine schwere Entscheidung mussten wir in den letzten sieben Jahrzehnten der Leipziger Buchmesse noch nie treffen. Sie ist bitter für uns und für die gesamte Buchbranche.

Oliver Zille, Direkter der Leipziger Buchmesse

Die Verantwortlichen baten in dem Statement um Verständnis. Man freue sich, wenn es ein Wiedersehen bei der nächsten Buchmesse gebe, die vom 18. bis 21. März 2021 stattfinden soll.

Herber Verlust für Branche

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bewertet die Absage als richtig. Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis sagte MDR KULTUR: Die Gesundheit der Menschen gehe vor. Für die Branche sei das aber ein sehr herber Verlust: "Die Strahlkraft der Leipziger Buchmesse als Publikumsmesse und Lesemesse, die Begeisterung für das Buch ausstrahlt, die geht in der nächsten Woche verloren. Die gibt es dann nicht und das ist natürlich ein harter Schlag für die Buchbranche und für alle, die begeistert Bücher lesen." Dass die Messe ausfällt, sei nicht kompensierbar, meint Skipis.

Das kann nur durch erhöhte Aufwendungen, erhöhtes Betreiben von Werbung und von engagierten Buchhändlern vielleicht ein klein wenig aufgefangen werden.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Ministerpräsident Kretschmer: Ziel ist Schutz der Bevölkerung

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer reagierte bereits auf die Absage: Er schrieb auf Twitter, die Leipziger Buchmesse sei ein Treffpunkt für Menschen aus der ganzen Welt. Gesundheit und Sicherheit gingen in diesem Fall ganz klar vor. Noch am Wochenende hatten die Veranstalter bekräftigt, die Messe stattfinden lassen zu wollen.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig bedauerte die Absage der Buchmesse. Er sagte jedoch, die Entscheidung sei "sehr verantwortungsvoll" und auf Basis einer "Abwägung zwischen wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten und denen des Gesundheitsschutzes der Besucher, der Aussteller und der Mitarbeiter der Leipziger Messe GmbH sowie der Bevölkerung" getroffen worden.

Auch "Leipzig liest" und Manga-Comic-Con abgesagt

Eigentlich sollte die Buchmesse in diesem Jahr vom 12. bis 15 März stattfinden. Knapp 2.500 Aussteller aus 51 Ländern hatten sich für die Veranstaltung angekündigt. Für "Leipzig liest", dem größten Lesefest Europas, das parallel zur Buchmesse stattfindet, waren 3.700 Veranstaltungen in und um Leipzig geplant. Wie MDR KULTUR von einem Sprecher der Stadt erfuhr, sind jedoch das Lesefest und die Manga-Comic-Con ebenfalls abgesagt. Im vergangenen Jahr besuchten rund 286.000 Besucher die Messe.

Die Buchmesse ist nicht die erste Großveranstaltung in Deutschland, die aufgrund des Coronavirus abgesagt wurde. Bereits in der vergangenen Woche wurde die Tourismusmesse ITB für dieses Jahr gestrichen, ebenso wie die Internationale Handwerksmesse in München.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 03. März 2020 | 13:30 Uhr

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