350. Geburtstag August der Starke - Warum sein Mythos bis heute überlebt

Er ist Mysterium geworden in seiner Prunk- und Ruhmsucht, seiner Sammelleidenschaft auch an Frauen, seiner unbändigen Baulust und Pläneschmiederei. Die spätere preußische Geschichtsschreibung ließ kein gutes Haar an ihm. Doch der Mythos von August hat überlebt - und wer kennt sich da besser aus als der Hüter der Schätze von August dem Starken: Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer. Er erklärt, worin Augusts Leistungen und Stärken liegen.

der Goldener Reiter, ein Reiterstandbild des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken, in Dresden
Der Goldene Reiter, ein Reiterstandbild des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken in Dresden Bildrechte: imago images / Westend61
Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes in Dresden 7 min
Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Kunstbesessen, feierwütig, frauenverbrauchend - August der Starke ist zum Mythos geronnen und oft Gegenstand sehr banalen Sachsenstolzes. Worin aber liegen seine Leistungen und Stärken? Dirk Syndram im Gespräch.

MDR KULTUR - Das Radio Di 12.05.2020 12:00Uhr 06:43 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes in Dresden 7 min
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Kunstbesessen, feierwütig, frauenverbrauchend - August der Starke ist zum Mythos geronnen und oft Gegenstand sehr banalen Sachsenstolzes. Worin aber liegen seine Leistungen und Stärken? Dirk Syndram im Gespräch.

MDR KULTUR - Das Radio Di 12.05.2020 12:00Uhr 06:43 min

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MDR KULTUR: Wir lassen die Mythen mal beiseite – was waren denn wirklich Augusts Stärken?

Dirk Syndram: Er wusste Gelegenheiten zu ergreifen und er wusste, was er wollte. Das ist etwas, was Politiker heute auch nicht immer können. Und er hatte Visionen. Wir werden im nächsten Jahrzehnt, fast im jeden Jahr, eine seiner Visionen feiern können, in diesem Jahr beispielsweise das Kupferstichkabinett in Dresden, also das Museumswesen, das wir heute haben mit den verschiedenen Fachmuseen, das wurde in Dresden erfunden von August dem Starken.

August hat Sachsen auch wirtschaftlich vorangebracht, ich denke an die Porzellanmanufaktur in Meissen.

Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes in Dresden
Dirk Syndram Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Und das ist nicht die einzige Manufaktur. Er hat wirklich Sachsen modernisiert, er hat Leipzig zu einer Messestadt gemacht, hat Frankfurt verdrängt zu seiner Zeit. Sachsen stand außerordentlich gut da als Drehscheibe von Ost nach West aber auch von Nord nach Süd. Es ist eine Industrialisierung durch ihn betrieben worden, die auch in der in diesem Jahr stattfindenden Landesausstellung gezeigt wird.

Mal andersrum gefragt: Was konnte denn August gar nicht?

Er konnte wunderbar Feste feiern, aber er konnte keine Siege auf dem Schlachtfeld erzielen, da war er wirklich nicht gut. Das liegt zum Teil daran, dass er kein so guter Stratege war, was also Kanonendonner und Heerführung anbelangt. Er war der Vorgänger von Prinz Eugen, aber Prinz Eugen wusste dann, wie man Siege feiert, aber er nicht. Das ist etwas, was ihn ziemlich belastet hat und wenn er 18 Jahre früher gestorben wäre, würde man heute seinen Geburtstag längst vergessen haben.

Er strebte ja immer weiter nach oben und wollte den polnischen Thron - warum hat er sich dieses polnische Abenteuer aufgehalst?

August der Starke - Kunst und Macht
Gemälde von August dem Starken Bildrechte: MDR/Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Elke Estel/ Hans-Peter Klut

Er gehörte zu einer Generation von Kurfürsten, die wollten alle Majestät werden. Da war der Kurfürst von Braunschweig, der König von England wurde, ein anderer, der Bayer, wurde sogar Kaiser und der brandenburgische, finanziell viel schlechter gestellte, Kurfürst wurde König in Preußen. Man wollte raus diesem heiligen römischen Reich und sich eine eigene Majestät schaffen, eine größere Autonomie. Auch die Möglichkeit, und das ist ja damit verbunden, indem man dann plötzlich in der Championsleague Europa spielt mit seinem eigenen Staatsgebilde, in seiner eigenen Regierungsresidenz Pracht und Magnifizenz zu zeigen – und von der leben wir hier in Dresden ja immer noch: sei es der Zwinger, seien es Bauten wie das Japanische Palais und auch im Schloss eben, was dort entstanden ist. Das ist eine gute Investition gewesen.

Und jetzt ist alles geschlossen wegen Corona. Wann geht es denn wieder los?

Am 30. Mai öffnen wir wieder das Residenzschloss, nicht das gesamte, sondern nach und nach. Das Grüne Gewölbe wird wahrscheinlich immer zugänglich sein und die anderen Paraderäume zu verschiedenen Tagen. Das werden wir ausprobieren, wie das ist in dieser Corona-Situation. Die kennen wir bald etwas besser und ich hoffe, wir werden viele Gäste haben, die dann das wahnsinnige Erlebnis eines Ganges in die Geschichte, in die Pracht des 18. Jahrhunderts mit uns feiern werden.

Das Gespräch führte Beatrice Schwardtner für MDR KULTUR.


Außerdem zum 350. Geburtstag von August dem Starken - eine Sonderausstellung im Barockschloss Moritzburg

Die Ausstellung im Schloss Moritzburg zeigt die Entwicklung von August dem Starken zum "sächsischen Nationalsymbol". Dabei nimmt sie Mätressenwirtschaft des Königs in den Blick, zeigt auf, wie die DDR mit Augsut umgegangen ist und verdeutlicht, dass August nicht immer als der "goldene Reiter" galt, sondern auch lange Zeit als "Buhmann", gerade im Hinblick auf Friedrich II.

Schloss Moritzburg Bilder zur Ausstellung "350 Jahre Mythos August - Geschichte. Macht. Ihr."

Ausstellung zu August dem Starken im Schloss Moritzburg.
Bildrechte: Schlösserland Sachsen/Ben Walther
Ausstellung zu August dem Starken im Schloss Moritzburg.
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Ausstellung zu August dem Starken im Schloss Moritzburg.
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Ausstellung zu August dem Starken im Schloss Moritzburg.
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Ausstellung zu August dem Starken im Schloss Moritzburg.
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Ausstellung zu August dem Starken im Schloss Moritzburg.
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Ausstellung zu August dem Starken im Schloss Moritzburg.
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Schloss Moritzburg 4 min
Bildrechte: Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen

Informationen zur Ausstellung: Dauer: 04.05.2020 bis 01.11.2020
Wo: Schloss Moritzburg bei Dresden
Preise: 8,00 Euro | ermäßigt 6,50 Euro | Kind 1,00 Euro
Es gibt altersgerechte Angebote für Kinder


Fünfteiliges Hörspiel "Gräfin Cosel"

Sie begann mit einer Wette und endete mit 49 Jahren Festungshaft - die bis heute unvergessene Liebesbeziehung zwischen August dem Starken und Anna Constantia von Brockdorff, der späteren Reichsgräfin Cosel. Hören Sie hier das fünfteilige Hörspiel nach dem historischen Roman von Jósef Ignacy Kraszewski mit Thomas Thieme, Corinna Kirchhoff, Traugott Buhre, Rolf Hoppe und anderen.

Gräfin Cosel, Maitresse August des Starken als Venus, historischer Holzschnitt, circa 1865. 27 min
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Gräfin Cosel, Maitresse August des Starken als Venus, historischer Holzschnitt, circa 1865. 30 min
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Gräfin Cosel, Maitresse August des Starken als Venus, historischer Holzschnitt, circa 1865. 28 min
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Gräfin Cosel, Maitresse August des Starken als Venus, historischer Holzschnitt, circa 1865. 27 min
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Gräfin Cosel, Maitresse August des Starken als Venus, historischer Holzschnitt, circa 1865. 29 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Mai 2020 | 12:10 Uhr