Semperbau am Zwinger Dresden feiert seine Alten Meister: Gemäldegalerie öffnet wieder

Sieben Jahre wurde das Gebäude von Gottfried Semper (1803-1897) saniert: Ab dem 29. Februar 2020 hat der Semperbau am Zwinger in Dresden wieder für Besucher geöffnet. Dazu präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erstmals die Werke der Gemäldegalerie Alte Meister zusammen mit der Skulpturensammlung bis 1800 – als Gesamtkunstwerk. Zu sehen sind über 700 Gemälde und rund 450 Skulpturen und Plastiken. Die Werke sollen in einen Dialog treten, wie Direktor Stephan Koja im Interview erklärt.

Außenansicht Semperbau am Zwinger
Blick auf den Semperbau am Zwinger. Die Gemäldegalerie Alte Meister ist nach sieben Jahren Sanierungszeit wieder für Besucher geöffnet und zeigt nun auch die Skulpturensammlung bis 1800. Bildrechte: Jürgen Lösel

MDR KULTUR: Welche Entscheidungen haben Sie im Vorfeld der Neueinrichtung mit der Gemäldegalerie Alte Meister und der Skulpturensammlung bis 1800 getroffen?

Stephan Koja: Mir war wichtig, die Sammlungsgeschichte zu verstehen, gut zu kennen und daraus die Sammlung zu konzipieren. Da wir die Skulpturensammlung von der Antike bis zum Klassizismus bis 1800 konzipieren, war es notwendig, der Sammlung einen großen Auftritt zu geben und vor allem diesen Dialog zwischen Malerei und Bildhauerei aufzunehmen. Da sollten die Gegenüberstellungen möglichst präzise einsichtig sein, dass man wenig lesen muss und gleich versteht, was einem hier gesagt werden will.

Diese Skulpturen der Antike bis Klassizismus werden neu in Sempers Galeriebau integriert?

1855 wurde das Haus eröffnet, damals für die berühmte Gipsguss-Sammlung von Anton Raphael Mengs. Die Abgüsse waren größtenteils Wiedergaben von antiken Werken, von daher war es äußerst passend, dass wir mit den antiken Bildwerken eingezogen sind. Gottfried Sempers Architektur ist eine große Hilfe für die Präsentation, da sich an den beiden Seitenflügeln große Fenster zum Theaterplatz und zum Zwinger öffnen. Wir arbeiten mit dem Tageslicht. Und besonders am späten Nachmittag, wenn die Sonne hereinfällt – gerade im Winter, wenn sie tief steht – dann spielt sie auf den Oberflächen der Skulpturen und bringt ganz neue Plastizität heraus.

Im Skulpturengang, haben wir Renaissance- und Barockskulpturen Werken der Malerei gegenübergestellt. Da gibt es ein paar griffige Vergleiche: Andrea del Sarto, ein Florentiner Maler der Spätrenaissance und des Manierismus, malt Abraham, der seinen Sohn Isaac opfern will und dann von einem Engel daran gehindert wird. Und sein Sohn ist nachgebildet von einem der Söhne des Laokoon. Dieses antike Werk der Figurengruppe des Laokoon wurde ein gutes Jahrzehnt vorher erst ausgegraben und war natürlich im Mittelpunkt des Interesses dieser Zeit. Man sieht hier ganz eindrücklich: Ein Maler reagiert auf berühmte Skulpturen der Antike. Und wir besitzen den Laokoon in Kleinbronze, können ihn vor das Gemälde von Andrea del Sarto stellen und müssen eigentlich nicht viel sagen. Der Besucher kann sich selbst einen Reim darauf machen.

Worin sehen Sie die besondere Qualität dieser Galerie? Sie ist ja in kurzer Zeit entstanden und nur durch zwei Sammler.

Das waren die beiden Auguste (August der Starke und August der Dritte) und das ist ja ein unglaublicher Glücksfall der Geschichte, dass der Nachfolger den Geschmack des Vorgängers teilt. Die Sammlung hat eine ganze Reihe von Stärken, eine ist sicher die italienische Malerei. Es gibt kaum eine Sammlung in der Welt, die so große Altarbilder besitzt. Wir haben vier Coreggios, die berühmte Sixtinische Madonna, Gemälde von Caracci usw. Dann ist das Pastellkabinett etwas, das ganz einzigartig ist, das es wirklich nur hier gibt. Wir besitzen weit über 100 Pastelle, haben das Pastellkabinett mit kostbarem Pariser Seidendamast ausgestattet und das opulent gehängt, um diese Stärke vorzuführen.

Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke.
Bernardo Bellotto: "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke" Bildrechte: SKD/Estel/Klut

Dann ist natürlich die Sammlung von Cranach, Vater und Sohn, es gibt einen Cranach-Saal mit 40 Gemälden. Bellotto und seine Stadtveduten von Dresden und Pirna sind eine weitere Stärke. Wir breiten in einem Bellotto-Saal 17 Veduten aus, insgesamt werden im ganzen Museum 21 Bellottos zu sehen sein.

Und dann sind es natürlich auch die Feinmaler, die berühmten Leidener Feinmale. Das war eine Leidenschaft von August dem Starken und seinem Sohn, die sie in einem Nebenraum neben ihrem Schlafzimmer aufbewahrt haben. Das ist eine ganz minutiöse detailreiche Malerei, an die man nah herangehen muss, um die ganze Fülle der kleinsten Details genießen zu können. Und auch da hat Dresden wieder die größte Sammlung der Welt, mehr als jede holländische Sammlung und in Leiden selbst.

Zur Anordnung der Werke: Sie hängen die Maler nördlich der Alpen auf grünem Grund und die Italiener auf rotem Grund? Und nicht auf ein helles Grau, wie das in letzter Zeit üblich wurde?

Wir wollten auch da den Glanz zurückgewinnen, den Gottfried Semper für das Museum vorgesehen hatte, er hatte ja ein Schloss gebaut bzw. einen Palazzo für eine königliche Sammlung. Und alte Meister brauchen auch Farbe. Die Besucher werden sehen, dass die rote Wandbespannung das Rot in den Bildern steigert.

Wir haben ein wunderbares Beispiel eines spanischen Stilllebens von de Arellano, der in einem Blumenkorb auch blaue Kornblumen zeigt. Die haben wir auf dunkelblauem Grund gehängt, und ohne Übertreibung: Jeder von uns, der das erste Mal daran vorbeigegangen ist, hat fast ausgerufen: Sieht das gut aus! Weil dieses Blau so gesteigert wird. Und der gesamte Eindruck der Festlichkeit hat enorm gewonnen. Es trägt eben dazu bei, den Bildern ihre Stärken zurückzugeben. Wir haben dunkles Blau für Franzosen und Spanier, was auch die Übersichtlichkeit der einzelnen Schulen in den Räumen erhöht.

Das Interview führte Sachsen-Landeskorrespondentin Birgit Fritz für MDR KULTUR.

Zur Person von Stephan Koja Stephan Koja studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie, Philosophie und Jura an den Universitäten Salzburg und Wien. Von 1989 bis 1991 war er als freiberuflicher Kurator tätig. 1992 übernahm er die Leitung der Sammlungen des 19. Jahrhunderts der Österreichischen Galerie Belvedere. 1995 bis 2006 war er Herausgeber der Kunstzeitschrift "Belvedere". Zu seinen Ausstellungen im Belvedere zählen auch "America" (1999), "Nordlicht" (2005) und "Im Lichte Monets" (2014).

Informationen zum Semperbau in Dresden Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800, Mathematisch-Physikalischer Salon und Porzellansammlung sowie aktuelle Sonderausstellungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Am 28. Februar: von 22 bis 2 Uhr Abendöffnung im Semperbau am Zwinger, Eintritt kostenfrei

Am 29. Februar und 1. März: 10 bis 18 Uhr freier Eintritt in den Semperbau. Einlass aber nur mit limitierten Zeitkarten. Tickets sind an den SKD-Museumskassen erhältlich.

Ab 3. März 2020: täglich 10-18 Uhr, Montag geschlossen
Regulär 14 Euro / Ermäßigt 10,50 Euro / unter 17 Jahren: frei

Mitteldeutsche Museenlandschaft

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Diskurs | 22. Februar 2020 | 19:05 Uhr

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