Schostakowitschs Lady Macbeth und Uraufführung einer Schülerkomposition beim MDR-Sinfonieorchester

Der junge britische Dirigent Kerem Hasan und das MDR-Sinfonieorchester widmeten sich am 26. Januar der hemmungslos liebenden und mordenden Lady Macbeth, der Schostakowitsch in seiner Oper ein klingendes Denkmal gesetzt hat. Neben der Suite daraus erklang im Gewandhaus Bartóks 3. Klavierkonzert mit Solist Denis Kozhukhin am Flügel. Jubilar Beethoven kam nicht nur mit der 2. Leonoren-Ouvertüre zu Wort, sondern seine Musik war auch Keimzelle für die Komposition einer Sächsischen Schulklasse.
MDR KULTUR und MDR KLASSIK senden das von Grit Schulze moderierte Konzert live um 19.30 Uhr in ihren Programmen.

Kerem Hasan (Dirigent)
Bildrechte: Tristan Fewings (Getty Images)

Mit der 2. Leonoren-Ouvertüre eröffnete das MDR-Sinfonieorchester nicht nur das Konzert, sondern ehrte den Komponisten Beethoven auch zu Beginn des Jubiläumsjahres anlässlich seines 250. Geburtstags. Von den vier Ouvertüren, die er zu seiner einzigen Oper „Fidelio“ komponierte, ist die 2. diejenige, die 1805 zur Uraufführung der Oper erklang. Mit einiger Dramatik führt die Ouvertüre in Kurzform durch das Freiheitsdrama, in dem Heldin Leonore sich als Kerkerknecht Fidelio im Gefängnis verdingt, um ihren dort eingesperrten Mann Florestan zu befreien. Das triumphierende Happy End der Ouvertüre verrrät den glücklichen Ausgang.

Das Beethoven-Experiment mit einer Schülerkomposition im Sinfoniekonzert

Den Jubilar Beethoven ehrte auch eine 9. Klasse des Gymnasiums Bischofswerda: Und das mit einem eigens komponierten Werk, welches im Rahmen des „Beethoven-Experiments“ der ARD mit MDR-Clara entstand. Ein Vierteljahr feilten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Komponist Aristides Strongylis an den musikalischen Feinheiten, nun wurde das Stück namens Equality vom MDR-Sinfonieorchester uraufgeführt.


Als "derb-erotisches und kriminalistisches Schauerstück" gelangte Leskows Lady Macbeth von Mzensk 1931 in die sowjetischen Theater. Dort muss auch Schostakowitsch mit dieser russischen Variante der Shakespeare’schen Antiheldin in Kontakt gekommen sein; wenig später verarbeitet er den Stoff in seiner zweiten Oper.

Mit starken Rhythmen, verzerrten Militärkapellenklängen und tief verzweifelten musikalischen Momenten übersetzte er Katerina Ismailowas Schicksal in seine einzigartige Tonsprache. Das Etikett "Chaos statt Musik" wurde der Oper dafür wenige Tage nach der überaus erfolgreichen Uraufführung von der parteitreuen Zeitschrift Prawda angeheftet – für Schostakowitsch begann damit eine Zeit der Todesangst. Das MDR-Sinfonieorchester interpretierte aus der Oper eine achtsätzige Suite (zusammengestellt von James Conlon), die in ihrer Abfolge die Handlung nachvollzieht.

Wesentlich mildere Töne schlägt Bartók in seinem 3. Klavierkonzert an, das er 1945 während seiner letzten Lebensmonate als Geburtstagsgeschenk für seine Frau Ditta komponiert hatte. Die Uraufführung erlebte er selbst nicht mehr und seine Frau verzichtete darauf, den Solopart zu übernehmen. Von eigenwilliger Schönheit ist dieses weichste, melodischste und freundlichste seiner drei Klavierkonzerte.

Pianist Denis Kozhukhin
Pianist Denis Kozhukhin Bildrechte: Christine Bush

Pianist Denis Kozhukhin interpretierte im Gewandhaus den Solopart. Er stammt aus einer russischen Musikerfamilie, studierte in Madrid und Stuttgart und gewann 2010 den Ersten Preis beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel. Als Solist war er seitdem u. a. beim Concertgebouw Orkest, Chicago Symphony Orchestra, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und beim London Symphony Orchestra zu erleben. Als versierter Kammermusiker hat er mit Künstlern wie Leonidas Kavakos, Janine Jansen und Jörg Widmann zusammengearbeitet.

Dirigent Kerem Hasan
Dirigent Kerem Hasan Bildrechte: Marco Borggreve

Kerem Hasan ist Chefdirigent des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck. Der junge Brite gewann 2017 den Nestlé und Salzburg Festival Young Conductors Award und assistierte an der Welsh National Opera. Als Gast war er u. a. beim Councertgebouw Orkest und beim London Symphony Orchestra zu erleben, zudem mehrmals beim Aspen Music Festival. Klavier und Dirigieren hat er in Glasgow, Weimar und Zürich studiert.

Durch das Konzert führte MDR KULTUR-Moderatorin Grit Schulze.

Dieses Thema im MDR-Programm: MDR KULTUR und MDR KLASSIK senden das Konzert live am 26.1.2020 um 19.30 Uhr in ihren Programmen.