Finanzen Existenzangst in Corona-Zeiten? So hilft der Staat!

Das Coronavirus hat unseren Alltag fest im Griff. Neben der Angst um die eigene Gesundheit wachsen bei vielen Menschen die Geldsorgen. Wovon leben, wenn die Kunden ausbleiben - und wie die nächste Miete zahlen, wenn das Kurzarbeitergeld hinten und vorne nicht reicht? Jetzt hat die Bundesregierung ein Corona-Soforthilfepaket beschlossen. Wer kann welche Gelder wo beantragen? Welche Hürden sind erleichtert worden?

Hilfspaket mit Geldscheinen
Existenzangst durch Corona? Die Bundesregierung hat ein Corona-Soforthilfepaket beschlossen. Bildrechte: imago images / Steinach

Bundesregierung beschließt umfangreiches Rettungspaket

Die Bundesregierung hat ein milliardenschweres Hilfsprogramm beschlossen, um Arbeitsplätze und Unternehmen zu retten. Danach sollen existenzgefährdete Kleinstunternehmer, Selbstständige und Freiberufler über drei Monate Finanzspritzen von 9.000 bis 15.000 Euro bekommen. Hinzu kommen Garantien und Liquiditätshilfen, sowie Gelder für mögliche Staatsbeteiligungen in der Krise.

Olaf Scholz 2 min
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Soforthilfe für Selbständige und kleine Unternehmen

Soforthilfen beantragen können Selbstständige, Künstler, aber auch kleinere Unternehmen, die bis zu 50 Beschäftigte haben.

Höchstens 9.000 Euro bekommen einzelne Selbständige oder Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern. Bis zu 15.000 Euro können Firmen beantragen, die bis zu zehn Leute beschäftigen. Auf maximal 30.000 Euro können Unternehmen hoffen, die bis zu 50 Beschäftigte haben. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden.

Antrag für ein Soforthilfeprogramm des Bayerischen Wirtschaftsministerium im Zuge der Corona Krise.
Selbständige und kleine Unternehmen können Soforthilfe beantragen, wenn sie durch die Corona-Krise in eine finanzielle Schieflage geraten sind. Bildrechte: imago images / Marius Schwarz

Das für die Beantragung notwendige Formular können Betroffene zeitnah im Internet herunterladen: Auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums, bei der IHK oder der Handwerkskammer

Übrigens: Doppelt beantragen kann man das Soforthilfe-Geld nicht. Sobald der Bund die Gelder freigegeben hat, werden sie vom jeweiligen Land ausgezahlt. Unabhängig von den Hilfen des Bundes bieten auch die meisten Länder zinslose Darlehen für Freiberufler und Kleinstunternehmer an.

Kurzarbeitergeld für Angestellte

Die Bedingungen, unter denen Arbeitgeber Kurzarbeitergeld beantragen können, sind wegen der Corona-Epidemie bis zum Ende des Jahres gelockert worden. Ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht bereits dann, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als zehn Prozent haben. Auch Leiharbeitnehmer können Kurzarbeitergeld erhalten. Bei Betrieben, die mit Arbeitszeitkonten arbeiten, müssen Beschäftigte keine Minusstunden aufbauen.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann der Arbeitgeber Kurzarbeitergeld beantragen. Für alle ausgefallenen Arbeitsstunden erhalten Arbeitnehmern ohne Kinder 60 Prozent ihres Gehalts, Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind rund 67 Prozent.

Keine Wohnungskündigungen wegen Mietschulden

Wer aufgrund fehlender Umsätze oder Kurzarbeitergeld seine Miete nicht bezahlen kann, braucht nicht zu fürchten, seine Wohnung zu verlieren. Sind die Mietschulden für Wohn- oder Gewerberäume zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2020 aufgelaufen, darf der Vermieter nicht kündigen. Allerdings sind die Mieter verpflichtet, ihre Schulden später zu bezahlen. Auch Strom- und Wasseranbieter, Telefon- und Internetunternehmen müssen ihren Kunden mehr Zeit für Zahlungen einräumen.

Rotes Aushängeschild "Wohnung zu vermieten" vor einem Mietshaus.
Wer wegen der Corona-Krise mit seiner Miete in Zahlungsverzug gerät, darf nicht gekündigt werden! Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Kinderzuschlag für Familien

Hilfe gibt es auch für Familien, die wegen der Corona-Krise zu wenig Einkommen haben. Einfacher als bisher kann ein Kinderzuschlag von bis zu 185 Euro pro Monat beantragt werden. Für die Berechnung ist ab dem 1. April nämlich nicht mehr das Einkommen der letzten sechs Monate ausschlaggebend, sondern das des letzten Monats. Auf der Internetseite Notfall-KiZ können Familien prüfen, ob ihnen der Zuschlag zusteht - und ihn gleich beantragen.

Zuschuss für Kinderbetreuung

Viele können es sich aktuell nicht leisten, für die Kinder zu Hause zu bleiben. Müssen Alleinerziehende und Eltern jemanden für die Betreuung des Nachwuchses bezahlen, können sie ihren Arbeitgeber um einen Zuschuss bitten. Bis zu 600 Euro darf der steuerfrei zuschießen. In der aktuellen Situation sind viele Unternehmen sehr kulant.

Ob bereits bezahlte Kita- und Hort-Gebühren wegen der Schließung der Einrichtungen rückerstattet werden, dazu gibt es noch immer keine einheitliche Regelung.

Leichter Arbeitslosengeld I und Hartz IV beantragen

Zwar sind die Arbeitsagenturen wegen des Corona-Virus geschlossen, doch die Mitarbeiter sind weiterhin für alle da, die Arbeitslosengeld I oder Hartz IV beantragen müssen. Alle notwendigen Anträge gibt es im Internet zum Herunterladen, Erklärvideos auf dem YouTube-Kanal der Arbeitsagentur helfen beim Ausfüllen. Zudem haben sämtliche Arbeitsagenturen und Jobcenter Hotlines zur Beratung eingerichtet.

Außerdem hat der Bundestag die Regeln für den Bezug von Hartz IV gelockert, damit in der Corona-Krise mehr Menschen unbürokratisch unterstützt werden können. Ab dem 1. April soll Hartz IV auch ohne vorherige Prüfung des Vermögens des Antragstellers für sechs Monate ausgezahlt werden. Auch eine Prüfung der Höhe der Wohnungsmiete soll vorerst entfallen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. März 2020 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2020, 22:44 Uhr

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